Problemzonen

Sie ist zäh und ärgerlich, diese seit Monaten anhaltende Börsenphase. Simplytrade ist ein Ausbruchssystem und das hat wie jedes System seine Problemzonen. Damit es profitabel ist, braucht es eine gewisse Dynamik im Markt. Aber, zu hohe Schwankungen sind die Problemzone Nummer 1, weil dann oftmals unkalkulierbare intraday-Kapriolen passieren, so wie das 2010 und 2011, oder wie zuletzt im Mai 2015 während des Grexit-Theaters der Fall war. Erst danach ging es wieder mit der richtigen Schwankungsbreite voran. Dieses für simplytrade positive Szenario lief dann bis März 2016 und bescherte uns satte Gewinne, von denen alle, die rechtzeitig eingestiegen sind, heute noch zehren können.

 

Ab März 2016 gab es einige unberechenbare Wochen bevor der DAX ab August mehrere ausgeprägte Seitwärtsphasen etablierte, die nur sporadisch durch ein paar kurze Trendansätze unterbrochen wurden und die bis heute das Bild bestimmen. Und das ist die Problemzone Nummer 2: Seitwärtsphasen mit einer geringen Schwankungsbreite sind Gift für das Trading, nicht nur für simplytrade. In diesen Zeiten funktionieren ironischerweise Zockerstrategien besser, so wie  man diese bei ayondo auch immer wieder sieht. Allerdings sind diese ein Spiel mit dem Feuer. Der Charakter dieser gefährlichen Systeme ist, dass dabei laufend kleine und Mini-Profite mitgenommen werden, was immer zu einer optisch tollen Trefferquote nahe 100% führt. Allerdings bleibt dafür das Risiko durch die nicht geschlossenen Verluste extrem groß. Das geht immer so lange gut, so lange sich die Börse in einer Seitwärtsphase wie jetzt befindet. Beginnt ein neuer Trend und der Markt läuft in eine Richtung davon, haben die offenen Verlustpositionen keine Chance mehr, in den Gewinn zu laufen. Sehr große Verluste sind zwangsläufig die Folge, was oftmals innerhalb ganz kurzer Zeit passiert, und oftmals führt das zum totalen Depot-Crash. Das ist auch der Grund, warum so eine Strategie bei simplytrade nicht zur Anwendung kommt, auch wenn es in den letzten Monaten sehr verlockend gewesen wäre und die Performance dadurch auf neue Hochs getrieben hätte. Die Frage ist halt immer, wann legt man den Schalter wieder um und hört auf mit dieser Zockerei? An der Börse wird nicht geklingelt, damit sich alle darauf vorbereiten können. Das Risiko eines großen Crashs ist zu hoch, wie man an den gefallenen Engeln und Bruchpiloten bei ayondo immer wieder sieht. Und transparent wie bei simplytrade ist so eine Vorgehensweise auch nicht.

 

Simplytrade hängt also in dem Dilemma zwischen guten Zeiten mit der passenden Schwankungsbreite und den flauen Zeiten, in denen einfach nichts geht. Hier zwei aktuelle Beispiele für solche Börsenphasen:

 

 

 

  

Dies ist der Verlauf des DAX im Zeitraum Dezember 2015 bis März 2016. In dieser Zeit erreichte simplytrade immer wieder neue Hochs. Sehr gut zu erkennen sind die Ausbrüche, die dann auch sehr oft in die entsprechende Richtung liefen.

 

Nur wenige Kursbewegungen erreichten gleichzeitig das Hoch und das Tief des Vortages, von denen dann immer eine in den Verlust führt. Die Tendenz innerhalb des Tages hielt oft bis zum Ende des Tages an.

 

Das sind also die guten Zeiten.

 

 

 

 

Und in den für simplytrade schlechten Zeiten sieht der DAX so aus:

Dies ist der Verlauf des DAX ab August 2016. Im Gegensatz zum Kursverlauf in den guten Zeiten sind hier die ausreichend großen Ausbrüche deutlich in der Unterzahl. Viele kleine Kerzen demonstrieren die für das Trading schwierige Situation. Kleine Kerzen bedeuten zu wenig Bewegung in die Ausbruchsrichtung. Und wenn zudem die Schwankungsbreite des Vortages sehr klein war besteht auch noch das Risiko, dass sowohl das Hoch als auch das Tief des Vortages über- bzw. unterschritten wird, was dann oft unter dem Strich einen Tagesverlust aus den beiden Trades zusammengerechnet bedeutet.

 

Zwei Bilder sagen also mehr als Worte. Und nun?

 

Es gibt ein paar Ideen, mit denen man in solchen Phasen gegensteuern könnte. Eine Möglichkeit ist, vorübergehend aufgelaufene Gewinne tagsüber mitzunehmen. Doch das ist leichter gesagt als umgesetzt. Denn wo sollen die Profitziele und wo das Stopploss gesetzt werden? Ohne Stopps ist es viel zu riskant, wie oben beschrieben, mit zu engen Stopps hat der Trade oft zu wenig Spielraum. Ein solcher Take Profit-Ansatz wird seit kurzem umgesetzt, allerdings sieht es so aus, dass die Stopps für diese Börsenphase nicht optimal justiert sind. Die Backtests sind dabei offenbar nur bedingt aussagefähig. Also müssen die Parameter doch noch mal angepasst werden.

 

Doch das grundsätzliche Problem ist: wie kann festgelegt werden, wann eine Börsenphase beginnt und wann endet? Eine Idee dazu ist der Volatilitätsindex. Der Grundgedanke hierbei ist, dass in schwachen Seitwärts- und Aufwärtsphasen der VDAX auf einem sehr niedrigen Wert notiert. Dies trifft aber derzeit nicht zu. Es müssen also noch weitere Kriterien untersucht werden.

 

Ein weiterer Ansatz ist, das Entry etwas früher als exakt beim Vortageshoch oder Tief zu setzen. Hierzu laufen derzeit umfangreiche Analysen. Ergebnisse werden in den nächsten Wochen erwartet. Ob diese dann eine Änderung sinnvoll erscheinen lassen, muss abgewartet werden.

 

Eine weitere Idee ist, einen gleitenden Durchschnitt einzubauen, der die Tendenz anzeigt, womit es dann möglich wäre, offene Positionen über mehrere Tage zu halten. In der Ur-Version von simplytrade kam so ein GD zum Einsatz und wird in einer ähnlichen Version von mir nach wie vor privat eingesetzt.

 

simplytrade soll aber transparent und für jeden nachvollziehbar bleiben. Diese dem Profil auferlegte Vorgabe beschränkt jedoch die Einsatzmöglichkeiten. Dieser Punkt muss überdacht werden. Aber vielleicht kann man einzelne, leicht verständliche Elemente in das öffentliche Profil übernehmen.

 

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, in dieser Phase einfach gar nicht zu traden. Unter dem Strich wäre das in den letzten Monaten sinnvoller gewesen, zumal man dadurch ja auch noch die Finanzierungskosten und Slippage durch nicht ganz konforme Orderausführungen spart, die sich in einer langen Seitwärtsphase durchaus zu einem nicht zu unterschätzenden Betrag summieren, der dann ja auch erst mal wieder hereingeholt werden muss. Viel Hin und Her macht die Taschen leer.

 

Letztendlich gibt es unzählige Möglichkeiten, dem System zu etwas mehr Schwung zu verhelfen. Ob das zu einer besseren Performance führt, ist allerdings auch nicht garantiert. Andererseits ist die Gefahr eines Unterschreiten der 25%-Drawdown-Schwelle nicht zu unterschätzen. Aus diesem Grund wurde ja schließlich im öffentlichen ayondo-Profil auch der Protection Modus eingeführt. Grundsätzlich könnte man darauf aber auch verzichten und einfach die Ordergröße permanent reduzieren. Ohne PM würde das System aber auch nicht besser performen, nur die Performancekurve würde dynamischer aussehen. Das Ergebnis unter dem Strich wäre das selbe. Ohne PM würde man am nächsten Trend, wenn er denn irgendwann kommt, schneller partizipieren, bis zur ersten Korrektur. Dann würde wieder der PM die Situation schneller beruhigen. 

 

Grundsätzlich sind Backtests ja eine hilfreiche Methode um herauszufinden, ob ein Handelsansatz oder eine Strategie überhaupt in Frage kommt. Ist ein Backtest positiv, kann überlegt werden, ob ein System zum Einsatz kommt. Eine Garantie ist ein Backtest aber nicht.  Ist ein Backtest aber negativ, macht es keinen Sinn, damit überhaupt zu starten. So gesehen sind solche Backtest auf jeden Fall sinnvoll. Viele Fragen sich natürlich, ob die Wahrscheinlichkeit an der Börse besser prognostiziert werden kann, als beim Roulette oder Lotto. Dies muss klar bejaht werden. Der Unterschied zwischen Glücksspielen und der Börse ist, dass an der Börse Immer noch Menschen mit all ihren psychologisch verursachten Entscheidungen die Kurse beeinflussen. Auch wenn viele Computerprogramme an der Börse zum Einsatz kommen, sind auch diese ursprünglich doch auch von Menschen mit einer gewissen Logik und einer zugrunde liegenden Erwartungshaltung, die sich aus Erfahrungen der Börsenvergangenheit ergeben, programmiert worden. Dies ist der große Unterschied zu Glücksspielen wie Roulette.

 

Backtest dürfen aber nicht zu oft auf einzelne Börsenphasen angepasst werden. Eine solche Überoptimierung bewirkt immer genau das Gegenteil von dem, was erwartet wird. Aktuell ist das System simplytrade über alle Börsenphasen seit 1998 einheitlich angepasst. Die aktuelle Phase zeigt jedoch, dass es doch sinnvoll sein könnte, für gewisse Zeiträume, wie 2004-2005, 2010-2011 oder eben seit März 2016 bis jetzt die Parameter zu verändern. Die entscheidende Frage ist dabei, wie wird eine Börsenphase definiert. Und genau darum dreht sich die simplytrade-Forschung seit einigen Monaten. Zahllose Stunden wurden bereits investiert und einige interessante Ansätze entworfen. Diese privat umzusetzen ist dabei kein Problem, allerdings kann in der Öffentlichkeit, so wie das Profil bei ayondo platziert ist, nicht einfach etwas ausprobiert werden. Im simplytrader-Profil soll weiterhin alles transparent und nachvollziehbar bleiben. Ein paar mehr Freiheiten gibt es im Profil simplytrend. Hier werden bereits hin und wieder Ansätze getestet, im Dax und auf Aktien. Dieses Profil kommt zwar noch nicht so recht vom Fleck, weil leider immer wieder durch diskretionäre Fehlspekulationen die Gewinne wieder aufgezehrt wurden, aber hier soll zukünftig auch eine konsequentere Linie verfolgt werden. Eines ist aber auch in diesem Profil klar: Risikobegrenzung geht vor Gewinnmaximierung um jeden Preis.

 

Mit diesen Erklärungen sollte nun deutlich werden, dass das System grundsätzlich funktioniert, aber eben nicht in allen Börsenphasen eine positive Performance bringt. Es ist schade, dass in verschiedenen Foren Handelssysteme einfach abgestempelt werden mit dem Kommentar, "das funktioniert doch sowieso nicht, ich habe es doch gleich gesagt". Schade ist auch, dass leider zu viele Leser in diesen Foren diesen oft anonymen Schreibern, die ihre Kommentare in der Regel auch nie sachlich begründen, auch noch glauben und die oft unhaltbaren Parolen für bare Münze nehmen. Aber das ist leider heutzutage ein weit verbreitetes Phänomen, wie man ja auch auf politischer Ebene seit Jahren verfolgen kann. In der Politik kann das aber für uns alle fatale Folgen haben.

 

 

Doch zurück zu simplytrade. Es gibt nun folgende Optionen:

 

- Das Trading einstellen und warten, bis wieder Schwung in die Börse kommt.

- Zocken und kleinste Profite mitnehmen und hoffen, dass es lange genug gut geht.

- So weiter handeln und abwarten.

- Die Positionen wieder vergrößern, in der Hoffnung, beim nächsten Ausbruch abzusahnen.

- Eine diskretionäre Komponente einbauen

- Keine Ausbrüche auf Tagesbasis mehr handeln.

- Die Positionen weiter verkleinern um den weiteren Verfall zu begrenzen, bis die Börse wieder Fahrt aufnimmt.

- Weitere Optimierungen anwenden.

- Das System vorübergehend umstellen auf ein Trendfolgesystem.

 

Die zuletzt genannten vier Punkte sind die, die ernsthaft in Betracht zu ziehen sind. Und daran wird seit Monaten intensiv getüftelt. Vielversprechende Ansätze sind bereits vorhanden und der eine oder andere wird voraussichtlich umgesetzt und dann auch hier erklärt.