Fels in der Brandung?

Was für turbulente Zeiten sind das gerade. Der DAX schwankt nicht nur seit Monaten um die 10.000er Marke, sondern vollführt seine wilden Tänze zum Leidwesen von simplytrade auch intraday teilweise so heftig, dass in den letzten Tagen die Stopploss-Marke mehrfach gerissen wurde. Die Folge ist der größte Drawdown in der Historie des Systems. Unsicherheit macht sich allenthalben breit und es werden Fragen aufgeworfen. Bricht nun alles zusammen? Hat das System ausgedient oder ist das nur ein weiteres Kapital in der Erfolgsstory? Muss das System nun dringend modifiziert werden?  Wo ist der Fels in der Brandung?

 

Eine Antwort werden uns die nächsten Wochen und Monate geben. Dann wissen wir, ob das jetzt nur eine ernst zu nehmende Schwächephase ist oder ob das System einer Erneuerung bedarf. Was jetzt auf keinen Fall passieren darf, ist in unüberlegten Aktionismus zu verfallen. Sicher gibt es interessante und auch hier in den Kommentaren bereits thematisierte Möglichkeiten, das System in der jetzigen, nicht zufrieden stellenden Phase zu verbessern. Da ich in den letzten Monaten extrem viel Zeit in die Beantwortung vieler kritischer, aber auch konstruktiver Anfragen per E-Mail und in andere Projekte gesteckt habe, wurde die Weiterentwicklung von simplytrade zurück gestellt, was mich nun etwas ärgert. Aber genau deshalb ist es in einer Phase wie zur Zeit enorm wichtig, die Situation in Ruhe und vor allem mit der hierfür notwendigen Zeit zu analysieren.

 

Es gibt durchaus interessante, auch hier kommentierte Ansätze, wie aktuell das System angepasst werden könnte. Allerdings darf es keine Optimierung geben, ohne wirklich ausreichende Backtests gefahren zu haben.  Das System wird weiter mit der bisherigen Konsequenz umgesetzt. Sollte es zu einem weiteren Rücksetzer kommen, der das ayondo-Profil in Richtung 25%-Drawdown bringt, muss allerdings, wie bereits im vorigen Blogeintrag berichet und auf den ich hier nochmal verweisen möchte, die Ordergröße reduziert werden. Ich hoffe, dass ich in nächster Zeit trotz einiger Projekte, die auch voran getrieben werden sollten, die Zeit finde, weitere Backtests zu fahren. An einem konstruktiven Gedanken- und Ergebnisaustausch bin ich hierzu nach wie vor interessiert.

 

Wie gesagt, unüberlegter Aktionismus oder gar Panikreaktionen wird es bei mir nicht geben. Darauf können sich meine Follower bei ayondo verlassen. Es wurde bereits mehrfach angeregt, ich solle doch einmal darauf eingehen, warum das so ist. Dazu kann ich sagen, dass hierfür sicher eine ordentliche Portion Disziplin notwendig ist. Aber um diszipliniert sein zu können gehört etwas, für das sich die Mühe lohnt. Dieses Fundament ist das zu Grunde liegende Handelssystem. Ohne einen Ansatz, dem man nicht vertraut, wird es nicht gelingen, etwas wirklich konsequent durchzuziehen. Ist kein wirkliches Vertrauen in eine Strategie vorhanden, wird ständig daran gezweifelt und bei jeder Schwächeperiode nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht. Diese werden dann, im schlimmsten Fall ohne ausreichende Tests, angewandt. Die Folge ist weitere Unsicherheit, wodurch sich eine regelrechte Todesspirale entwicklen kann.

 

Doch woher kommt dieses Vertrauen? Um das zu erreichen, ist viel Erfahrung und sehr viel Vorarbeit notwendig. Erfahrung kann man sich nicht anlesen und auch nicht in einem Kurs lernen. Aber eine möglichst umfassende Aneignung von theoretischem Wissen ist sehr hilfreich. Dieses Wissen muss dann aber in der Praxis angewandt und immer wieder vertieft werden. Nur diese praktische Anwendung führt irgendwann dazu, dass der Trader eine für ihn oder sie passende Strategie findet. Diese kann aus einem selbst entwickelten Ansatz bestehen, es ist aber genauso gut möglich, auf ein bewährtes anderweitiges Konzept zurück zu greifen und dieses für sich zu übernehmen. Hat man sich eine erste Strategie zurecht gelegt, die aber wirklich fundiert sein muss, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als damit praktische Erfahrungen zu sammeln, und zwar mit einem so geringen Kapitaleinsatz, der einen im Falle eines Falles nicht ruiniert. Wurde die Strategie wirklich fundiert ausgearbeitet und mehrfach durchleuchtet, wächst im Laufe der praktischen Anwendung auch das Vertrauen in einen selbst. Hierzu ist es zwingend notwendig, sich nach jedem Trade zu fragen, ob dieser korrekt entsprechend der Vorgaben durchgeführt wurde. Wenn nicht, müssen die Gründe dafür schonungslos aufgezeigt werden, auch wenn man sich dabei persönliche Schwächen eingestehen muss. Diese Schwächen hat jeder, auch ich, aber es ist möglich, diese soweit in den Griff zu bekommen, dass einem bessere Tradingergebnisse gelingen.

 

Dass ich das System simplytrade so konsequent umsetzen kann, liegt zum einen also an dieser jahrzehntelangen "Optimierung" meiner Trader-Persönlichkeit, sowie an dem grundsätzlichen Vertrauen auf das Handelssystem, das über mehr als ein Jahrzehnt entwickelt und nun schon mehrere Jahre im Einsatz ist. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist, dass der Tagesablauf entsprechend organisiert werden muss. Sicher müssen dabei auch gewisse "Opfer" gebracht werden. Wenn zum Beispiel der Abend noch so lang war, am nächsten Morgen muss man einfach rechtzeitig wach sein. Und ich muss in der Tagesplanung rechtzeitig vorher überlegen, dass ich um 17:35 Uhr mindestens mobil eine zuverlässige Internetverbindung zur Verfügung habe. Diese Einschränkung gilt für mich auch im Urlaub. Irgendwann geht so etwas aber in Fleisch und Blut über und es wird ganz normale Routine. Sicher kann immer etwas dazwischen kommen, zum Beispiel dass das Mobilfunknetz am Aufenthaltsbereich ausfällt oder das Smartphone genau dann einen defekt hat. Aber das sind letztendlich wirklich nicht vorhersehbare Ereignisse, die aber in der Realität so gut wie nicht vorkommen. Und wenn doch, dann bedeutet das ja nicht, dass das System dadurch völlig versagt.

 

Sicher darf man sich dann auch mal ärgern, genauso wenn sich ein Minustrade nach dem anderen aneinander reiht, aber auch das gehört dazu. Emotionen wie Freude und Ärger können nicht ausgeschaltet werden. Aber sie müssen natürlich im entscheidenden Moment kontrolliert werden. Sonst werden tatsächlich Fehlentscheidungen getroffen. Da ich ein passionierter Systemtrader bin habe ich absoluten Respekt vor den Traderkollegen, die tagtäglich diskretionäre Entscheidungen treffen (müssen). Mit einem Handelsansatz wie simplytrade ist es durchaus einfacher, sachlich zu bleiben. Man kann damit aber auch trainieren, wie man sich organisiert und im richtigen Moment konsequent bleibt.

 

Zu guter Letzt ist es natürlich auch notwendig, sich räumlich entsprechend einzurichten und sich ein Equipment zu beschaffen, das nicht das teuerste sein muss, aber mit dem man umgehen kann und auf das man sich verlassen kann. Hier an der falschen Stelle zu sparen, ist ein Fehler, den ich neben zahllosen anderen in früheren Zeiten begangen habe. Doch letztendlich sind alle diese Fehler, die mitunter sehr viel Geld gekostet haben, wiederum das Fundament, auf dem mein Trading heute basiert: Vertrauen in meine Strategie und Vertrauen in mein täglich routiniertes Handeln. Dadurch ist es mir möglich, simplytrade so konsequent umzusetzen. Und damit bin ich selbst mein eigener Fels in der Brandung der Börse.