Schmerzgrenze

An der Börse kann immer etwas passieren, das es so vorher noch nie gab. Diesen Satz habe ich schon öfter geschrieben, aber wenn es dann wie jetzt tatsächlich im Negativen eintrifft, dann ist die Schmerzgrenze nicht nur bei Alexander und User11Elf! erreicht. Und da ich mir selbst auch mit einem erheblichen Teil meines privaten Geldes folge, leide ich mit meinen Followern mit.

 

Mehrere Tage hintereinander mit Stopploss gab es auch in der Vergangenheit, aber dass das in dieser Intension mit vollem Kapitalfaktor passiert ist bisher so noch nicht aufgetreten. Von der Ausprägung ist dieser Drawdown mit dem von 2010 zu vergleichen, aber irgendwie ist es doch auch wieder anders. Auch 2004 gab es eine extreme negative Serie, aber auch da war die Situation eine andere. Und nachdem wir wie Daniel gerade geschrieben hat, den bisher größten historischen Drawdown von 20% (in der Originalberechnung, nicht bei ayondo) nun übertroffen haben, stellt sich die Frage, ob das System weiterhin funktioniert.

 

Die Frage dabei ist, ob sich die Börse grundlegend verändert hat. Seitwärtsphasen gab es auch in der Vergangenheit oft genug und die sind immer schlecht für Systeme wie simplytrade. Auch Seitwärtsphasen mit einer hohen Schwankungsbreite intraday und mit sehr großen Gaps gab es schon früher. Das war im Grunde auch während der Griechenlandkrise so und auch in den zahlreichen Krisen in den Jahren davor. Doch dieses Mal hat es uns gleich fünf Mal hintereinander mit voller Wucht getroffen.

 

Joe hat es treffend zusammengefasst. Eine solche Range-Phase ist nach ein paar Tagen immer gut zu erkennen. Aber es gibt auch innerhalb solcher Phasen Tage, an denen das System einen dicken Gewinn einfahren kann. Würde man in einer solchen Phase aussteigen, besteht die Gefahr, dass man dann nach so einem Trendtag, den man verpasst hat, wieder einsteigt und dann doch wieder nur die folgenden Verluste mitnimmt. Und von User11Elf! richtig erkannt ist auch, dass es insbesondere am Ende einer solchen Range-Phase oft einen extrem guten Tag gibt, den man dann zwangsläufig auch verpassen würde und auch in der folgenden Plus-Phase dann erst mal nur Zuschauer ist. Dennoch ist es durchaus zu überlegen, ob es möglich ist, solche Nicht-Trends statistisch zu identifizieren, um die Einsätze vielleicht herunterzufahren.

 

Eine diskretionäre Komponente, vielleicht auch als Abstimmung unter den Followern, wird aber schwierig umzusetzen sein und ist auch nicht Bestandteil dieser Strategie. Wie Dirk Lorenz richtig bemerkt, ist eine der Stärken des simplytrade-Ansatzes, dass dieser konkreten Regeln folgt, die diszipliniert umgesetzt werden. Ob es wirklich zum Reichtum verhilft, kann ich natürlich nicht versprechen.

 

Wer von Anfang an dabei ist, hat natürlich noch ein Polster, von dem gezehrt werden kann. Wer aber wie Daniel am Hoch eingestiegen ist, muss jetzt die Verluste entweder aussitzen und dem System vertrauen oder sein Glück woanders versuchen, wie das inzwischen etliche Follower gemacht haben. Letztendlich ist es niemand zu verdenken, wenn er/sie kalte Füße bekommt, insbesondere wenn sich jemand nicht mit dem System beschäftigt hat. Wer Bescheid weiß, wird jedoch nicht in Panik verfallen und seine Entscheidung sorgfältig abwägen.

 

Zur Anregung von Dirk, die Positionen in zwei zu unterteilen, ist zu sagen, dass dies grundsätzlich keine schlechte Idee ist, um dann wenigstens einen Teil des Gewinns zu realisieren, der ja intraday immer wieder vorhanden ist. Es gibt Strategien, bei denen diese Vorgehensweise umgesetzt wird. simplytrade soll aber so einfach wie möglich bleiben. Für denjenigen, der nicht selbst traden möchte, ist der Gedanke, dies im Folloerkonto umzusetzen nachvollziehbar. Die doppelte Positionsausführung (mit jeweils halbem Kapitaleinsatz) würde jetzt aber wiederum zu einem zusätzlichen Aufwand mit zusätzlichen Fehlerquellen führen. Sollte aber mehrfach Interesse daran bestehen, kann ich gerne darüber nachdenken, dies zu testen, eventuell auch auf einem weiteren Account. Wer Interesse daran hat, kann mir hierzu gerne einen Kommentar schicken.

 

Es ist vollkommen richtig, dass jetzt erhöhte Wachsamkeit notwendig ist. Dabei ist zu analysieren, wo wir aktuell stehen und wie es weiter geht. Ob wir nun das Tief im Depot gesehen haben und ob es so schnell wie letztes Jahr nach dem Juni-Drawdown wieder nach oben geht, weiß niemand. Genausowenig ist abzuschätzen, ob es nicht noch schlimmer kommt. Sollte es weitere Tage mit Verlust geben, dann kommen wir nun ganz schnell in den Worst-Case-Bereich. Dieser ist erreicht, wenn wir den bisher größten Drawdown von 13,5% erreichen.

 

Selbstverständlich gibt es auch für diesen Worst-Case ein Szenario, von dem ich zwar gehofft habe, es nie anwenden zu müssen, aber wenn es sein muss, dann bleibt uns nichts anderes übrig. Dieses Szenario besteht, wie schon im Juni 2015 darin, dass die Ordergröße weiter reduziert wird. Geplant ist dabei, die Ordergröße zunächst in zwei Schritten jeweils um 25% zu reduzieren. Kommt es zu einer solchen Maßnahme, dann dauert es natürlich entsprechend länger, bis wieder ein neues Allzeithoch erreicht wird. Letztendlich wird ja dann nur noch mit einem Viertel der ursprünglichen Größe gehandelt. Im Juni hat dies bestens funktioniert. Sollte diese Kapitalmaßnahme notwendig sein, was durchaus in den nächsten Tagen schon passieren kann, dann wird sofort hier im Blog und im Profil bei ayondo darüber informiert.

 

Wer dann mit welchem Follower-Kapitalfaktor weiter folgt und ob jemand sein Kapital aufstockt oder abzieht, bleibt letztendlich jedem selber überlassen. Ich kann und darf aus rechtlichen Gründen hierzu keine Empfehlungen abgeben. In diesem Sinne, hoffen wir auf bessere Tage.

 

Ich bedanke mich bei allen für die sachlichen Kommentare und für das Vertrauen.

 

Ingbert